| Ich glaube an Gott,
den Vater,
|
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. |
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen. |
Das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ aus dem fünften Jahrhundert,
das in den meisten Kirchen des Abend-landes gesprochen wird, enthält
ja einige schwer verdauliche Lehr-sätze: Der Schöpfergott ist
gleich-zeitig der Vater Jesu und unser Vater. Sein Sohn ist unser
Herr – wollen wir uns als freie Menschen denn einem Herrn unterordnen?
Geboren wurde Jesus von einer Jungfrau – mit diesem Lehrsatz haben viele
ihre Schwierigkeiten. Dass Jesus gelebt hat und gekreuzigt wurde, bezweifelt
kaum jemand. Aber dass er am dritten Tage von den Toten auferstanden und
später in den Himmel aufgefahren ist, das fordert unser Denken wirklich
heraus! Dass Gott mit Jesus oder ohne Jesus die Lebenden und Toten am Jüngsten
Tag einmal zur Rechenschaft zieht, bezweifeln die Einen, die Anderen hören
es mit Genugtuung, dass es wenigstens dann den Bösewichtern an den
Kragen geht. Mit dem Heiligen Geist tun wir es uns ein wenig schwer. Wir
wissen von der unsichtbaren Energie der Elektrizität: Wir wissen,
was Begeisterung alles bewirken kann, aber mit dem Heiligen Geist, der
heiligen christlichen Kirche, der Gemeinschaft der Heiligen tun wir uns
doch schwer. Von der Vergebung der Sünden: hören wir gern. Ob
Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist und ob wir auch von den Toten
auferstehen und ewig leben werden? Es wäre schön!
Glaube ist nicht Wissen
In der Homepage des Fachbereichs Mathematik der U-niversität Bielefeld
fand ich folgendes „Mathemati-sches Glaubensbekenntnis“: Ich glaube an
die Algebra, die Analysis, die Stochastik, die Rechnung mit einer o-der
mehreren Unbekannten, und an die Differentialglei-chungen, homogen und
inhomogen, den Satz von Rolle, entwickelt zum Mittelwertsatz, mehrdimensional
und mit Hilfe der Jacobimatrix, mit spezieller und allgemei-ner Lösung,
zur Berechnung von Problemen in der Chemie, Biologie und Physik. Ich glaube
an die Nume-rik, zur Umsetzung der Probleme auf dem Rechner, zu Verhinderung
von Ungenauigkeiten und zur Annähe-rung an Ergebnisse, ausgegeben
von einem Rechner. Amen“
Keine religiöse Wahrheit ist mathematisch messbar oder berechenbar.
Mit der Mathematik kann ich nicht die Schönheit in der Natur oder
in der Kunst berechnen. Wie weit meine Hoffnungen und Ängste mein
Denken und Handeln beeinflussen, ist mit der Mathematik auch nicht
zu ermitteln. Menschliche Logik und Wissen rei-chen nicht aus, um auf alle
Fragen des Lebens eine Antwort zu geben. „Das Schönste und Tiefste,
was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvol-len.
Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft
zugrunde. .... Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren
Geist Uner-reichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erha-benheit
uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität.
In diesem Sinne bin ich religiös. Es ist mir genug, diese Geheim-nisse
staunend zu ahnen und zu versuchen, von der er-habenen Struktur des Seienden
in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen.“ (Albert Einstein)
Glaube ist Vertrauen
„Erinnerst du dich noch, wie du als kleines Kind auf die hohe Birke
in unserem Garten geklettert bis?“, fragte Marcos Großvater
beim Mittagessen. „Ich weiß bis heute nicht, wie du das mit deinen
fünf Jahren geschafft hast. Oben warst du nun, aber du hattest auf
einmal furchtbare Angst, herunter zu klettern.“ – „Ja, ich erin-nere mich!“,
antwortete Marco. „Du hast mir dann zu-gerufen, welchen Fuß ich auf
den nächsten Ast setzen und wie ich mich drehen sollte. Ich konnte
einfach nicht mehr nach unten sehen.“ - „Aber du konntest mich hören,
und du hast Vertrauen gehabt!“, stellte der Großvater fest. „So ist
das auch mit dem Glauben: Ich muss nicht alles wissen, aber ich kann Vertrauen
zu Gott haben. Weil ich Vertrauen habe, kann ich auf Gott hören. Deshalb
glaube ich ja auch an Gott! Ich habe immer wieder gute Erfahrungen mit
Gott gemacht!“
Jesus selbst sieht im Vertrauen von Kindern das beste Vorbild für
den Glauben.
Glaube ist
Erfahrung
Die Bibel erzählt, dass Mose einmal Gott persönlich se-hen
wollte. Doch jeder Mensch, der Gott ins Gesicht sieht, muss sterben. Gottes
Licht ist zu hell! Deshalb stellt sich Mose in eine Felsspalte; Gottes
Hand be-schützt ihn, bis Gott an ihn vorüber gegangen ist. Dann
kann Mose Gott von hinten sehen. (2. Mose 33, 18-23) „In wie viel Not hat
nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet?“, singen
wir in einem bekannten Kir-chenlied. Es wurde übrigens nach sehr leidvollen
Erfah-rungen gedichtet. Die Nähe Gottes erkennen wir oft erst im nachhinein.
Erwachsene haben zwar meistens kein kindliches Vertrauen mehr; ihre Lebenserfahrungen
könnten aber gleichzeitig ihre Glaubensschätze sein.
Glaubensbekenntnisse sind Glaubenserfahrungen
„Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab
nach Ägypten und war dort ein Fremd-ling mit wenig Leuten und wurde
dort ein großes, star-kes und zahlreiches Volk. Aber die Ägypter
behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten
Dienst auf. Da schrien wir zu dem HERRN, dem Gott unserer Väter. Und
der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst
und Not und führte uns aus Ägypten ... und brachte uns
an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt.
Nun bringe ich die Erstlinge der Früchte des Landes, das du, HERR,
mir gegeben hast.“ (5. Mose 26,5-10) So lautet das älteste Glaubensbekenntnis
der Bibel. Es ist eigentlich eine sehr kurze Wiedergabe der Geschichte
Israels von Jakob bis Josua. Ähnlich enthält unser bekanntes
„Apostolisches Glaubensbekenntnis“ eine kurze Wiederholung des Lebens Jesu
von Weihnachten bis Pfingsten. Das alttestamentliche Glau-bensbekenntnis
ist gleichzeitig auch ein Dankeschön an Gott für die Bewahrung
der Menschen und die Gaben des Schöpfers. Auch das Glaubensbekenntnis
der Kir-chen will ein Dank an Gott sein: Danke für die Schöp-fung;
Danke für die Heilung und Bewahrung; Danke für eine gute Zukunft!
Seine Glaubenssätze wollen zum Nachdenken einladen, nicht zum Glauben
zwingen!
Christ-Sein am Beginn des 21. Jahrhunderts.
Ekhard
Brandes
Die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg hat zehn Sätze
aufgestellt, in denen formuliert wird, was uns an unserer Existenz als
Christen und an der Ge-meinschaft in unserer Kirche wichtig und kostbar
ist:
1. Christen vertrauen auf Gott, den Schöpfer allen Le-bens. Bei
ihm suchen sie Wahrheit und erfülltes Leben. Ihr Glaube befähigt
zu einem Leben, in dem die Hoff-nung größer ist als die Angst.
2. Christen halten sich zu Jesus Christus. Sein Leben ist Gottes Liebeserklärung
an die Welt. Auch angesichts von Bedrohungen vielfältiger Art ist
der christliche Glaube lebensbejahend und menschenfreundlich.
3. Christen hoffen auf Gottes lebendigen Geist. Er be-wegt und erneuert.
Er macht frei. Darum treten Christen dafür ein, dass nichts Menschliches
vergöttert wird - weder Rasse noch Nation, weder Fortschritt noch
Er-folg, weder Leistung noch Macht noch Gewinn.
4. Christen halten daran fest, dass alle Menschen als un-verwechselbare
Geschöpfe Gottes geachtet werden. Kein Mensch ist mit seinen Taten
oder Untaten, mit sei-ner Leistung oder seinen Fehlleistungen gleichzusetzen.
Das ist der Kern aller Menschlichkeit in der Gesell-schaft.
5. Christen können Schuld bekennen und um Vergebung bitten. Darin
gründet ihre Freiheit. Aus dieser Freiheit fließt die Bereitschaft,
Verantwortung für sich und an-dere zu übernehmen.
6. Christen vertrauen darauf, dass Gottes Liebe sie über den Tod
hinaus trägt und ihrem Leben Sinn gibt, auch wenn ihr Weg durch Krisen
und Leiden führt. Sie er-warten die neue Welt Gottes und mit ihr die
Antwort auf ungelöste Fragen.
7. Christen wollen zur Achtung unter den Menschen, zur Gerechtigkeit
und zum Frieden beitragen. Sie setzen sich für ein gerechtes Miteinander
von Frauen und Männern, von Jungen und Alten ein. Sie widersetzen
sich der wachsenden Ungleichheit in der einen Welt.
8. Christen leben vom Erbarmen Gottes. Darum treten sie für Rücksicht
gegenüber Schwächeren und Recht von Fremden ein. Sie unterstützen
Chancen eines Neu-anfangs für die, die schuldig geworden sind oder
sich verrannt haben.
9. Christen wissen sich als Teil von Gottes Schöpfung. Sie bemühen
sich, pfleglich mit ihrer natürlichen Um-welt umzugehen. Sie tragen
Sorge für die Umwelt der nachfolgenden Generationen.
10. Christen sind angewiesen auf die Gemeinschaft in der Kirche. In
der Begegnung mit der christlichen Bot-schaft finden sie Rückhalt
und Orientierung im Leben und im Sterben. Diese Botschaft weiterzusagen,
sind sie beauftragt. Die Kirche bietet allen Menschen Raum für Stille
und Besinnung, für Feier und Aktion, Begegnung und Dialog.