"Und das soll ein Weihnachtsbild für den Altar sein? Auch noch
als Altarbild?!"
So und ähnlich reagierten viele Solinger auf dieses Bild in ihrer Kirche. Sein Maler (U. Martin) hat es "Weihnachten" genannt. Aber es steht nicht einmal ein anständiger Ochse an der Krippe. Ja, wo ist überhaupt die Krippe? Statt dessen ein trister Hinterhof, Marke "Berlin-Kreuzberg" vor der Sanierung. Das "hoch-heilige" Paar ist ein ganz alltägliches, ohne Strahlenkranz und Schummerlicht. Maria liegt auf einer Decke in einer schmutzigen Bruchbude, die sicher bald wegsaniert wird. Ein hemdsärmeliger Joseph badet den Säugling in einer Plastikschüssel. Neugierige Gören auf der Mauer ersetzen wohl die Hirten. Ansonsten schaut niemand hin. Die Musik spielt vor der Mauer. Am Tordurchbruch eilen alle vorbei: Knecht Rupprecht, ein Verschnitt aus Mönch und Kinderschreck, mit Weihnachtsmann mit allem Möglichem bepackt, auf der Straße drängen.
Das Gloria der Engel dudelt der Drehorgelmann und die Sternsinger eilen irgendwohin, nur nicht durch die offene Mauer in den Hinterhof.
Der "Stern" beleuchtet nur die Hastenden. Die Turmbläser tönen über die Stadt - ob sie von denen im Hinterhof überhaupt gehört werden können? Unerhört! So kann man doch nicht Weihnachten darstellen - und schon gar nicht auf einem Altarbild, das doch in eine feierliche Stimmung versetzen soll. Doch, Hand auf's Herz, entspricht nicht das Bild sehr genau dem meisten, was bei uns um Weihnachten herum zu sehen ist und dem, was dabei nur ungern wahrgenommen wird?
Da ist das Elend, das Menschen überfällt, die Armut, die zum Himmel schreit, das Abgestempelt-Sein, aus dem kaum jemand einen Weg heraus findet.
Deshalb stellen wir in diesem Heft Menschen vor, die vor dem Elend, das es auch bei uns trotz "Weihnachten" gibt, nicht die Augen verschließen. Sie engagieren sich z. B. in den vielfältigen Arbeitsfeldern des Diakonischen Werkes in unserem Kirchenkreis.
Wir beginnen in 2003 das "JA(hr) der Bibel" in den evangelischen und katholischen Kirchen im Land. In diesem Heft wie in den folgenden Ausgaben dieses Jahres finden Sie deshalb Informationen zu den Hintergründen der Entstehung der Bibel und ihren großen Themen.
In dieser Ausgabe versuchen wir am Beispiel der so vertrauten Weihnachtsgeschichte den Entstehungs-prozess des Neuen Testamentes zu beschreiben.
Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2003
Im Namen des Kirchenblattteams
Gottfried Kramer
Pastor in Speele und Lutterberg
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