Wozu ist die Kirche da?

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Frage „Wozu ist die Kirche da?“ ist bereits das Thema dieses „Kirchenblatts“ umrissen. Wir erheben nicht den Anspruch, es umfassend zu beantworten. Es sollen jedoch einige Aspekte dazu genannt werden. Wenn Sie mit dieser Frage etwas verbinden, was hier keine Erwähnung findet, dann freuen wir uns über Ihren Brief oder Ihre Meinung.

Die Kirche soll mir etwas geben!

Dem Zeitgeist entsprechend läge es nahe, die Antwort damit zu verbinden, was man denn persönlich von der Kirche hat – oder nicht hat. Schließlich soll ja die Kirche den Menschen, die zu ihr gehören und denen, die sie aufsuchen, etwas geben, egal welcher Konfession man angehört oder in welcher Lebenslage man sich befindet. Menschen wünschen sich die Begegnung mit Gott, Stärkung im Glauben, die Kraft zum Bewältigen einer Krise, Hilfe zum Leben, Gemeinschaft, Geborgenheit und Orientierung in wichtigen Fragen des Lebens.

Einiges davon ist auch in unseren Gemeinden zu finden. Wir haben versucht, es unter der Überschrift „Kirche als Heimat“ und den diakonischen Angeboten unseres Kirchenkreises zusammenzustellen. Gemeinschaft in Gruppen und Kreisen erlebe ich auch selbst ebenso wie Verbindung im Glauben. Sie wird für mich manchmal spürbar, sei es im Bibelkreis, im Gottesdienst, im Frauenkreis, an einem Sterbebett oder auch in manchem Gespräch „zwischen Tfiür und Angel“.

Doch auch zu dem, was manchen in der Kirche fehlt, haben wir eine Befragung in Speele und Lutterberg aufgenommen. Wir vermuten, dass Sie sich mit Ihrer Meinung vielleicht auch darin wiederfinden und dass diese Befragung daher auch in anderen Gemeinden das Gespräch über Gottesdienst und kirchliches Leben anregen kann.

Nicht nur der Zeitgeist antwortet so.

Dass die Kirche Ihnen und mir und allen, die danach fragen, etwas geben soll, ist aber nicht nur die Auffassung des Zeitgeistes, der Menschen oft als erstes fragen lässt: „Was habe i c h denn davon.“
Dass die Kirche etwas geben soll, ist ihr Auftrag von Anfang an. Ihr erster Auftrag ist Z e u g n i s zu geben, weiterzusagen, was Gott in Jesus Christus für uns getan hat und fortwährend weiter tut. „Seid jederzeit bereit, Auskunft zu geben über die Hoffnung, die in euch ist.“ Oder, wie es im Johannesevanglium als Ausspruch Jesu heißt: „Gleich wie mein Vater mich sendet, so sende ich euch.“

Da ist das, was man selbst davon hat, verbunden mit dem Auftrag, es an andere weiterzugeben. Das sprengt die übliche, vorwiegend auf sich selbst bezogene Sicht der Dinge, und es charakterisiert die Rolle der Kirche als eine dienende, nicht eine herrschende. Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zu i h m finden. Die Kirche -und das heißt auch: jeder, der zu ihr gehört - kann Helfer oder Wegbereiter sein. Sie ist nicht das Ziel, aber sie soll helfen es zu finden.

Sendungsbewusstsein

Mir erscheint es wichtig, dass wir uns diese Aufgabe der Kirche von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen. Es befreit uns davon, in Gedanken, Worten und Taten nur um uns selbst zu kreisen. Es erinnert uns als Christen und als Gemeinde an unsere Aufgabe, von unserer Hoffnung zu sprechen und von dem, was uns Kraft und Halt und Orientierung gibt. Dazu ist die Kirche da, gleich welcher Konfession.

Darin sehe ich auch meine Aufgabe. Auch für eine Pastorin geht es nicht darum, „groß rauszukommen“ oder bei allen beliebt zu sein, sondern mit dem, was ich von Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist empfange, für andere da zu sein. Es ist der Dienst eines Christen am Nächsten. Das nenne ich Sendungsbewusstsein.

Dieser Dienst umfasst zuhören, Anteil nehmen, nach Kräften helfen, für andere beten und auch immer wieder den Versuch, aus dem eigenen Glauben heraus eine Antwort zu geben. Eine Antwort, die den anderen ermutigt, tröstet und daran erinnert, dass er oder sie ja auch ein von Gott geliebter Mensch ist.

So jedenfalls verstehe ich den Auftrag Jesu an seine „Anhänger“. Und noch einmal möchte ich betonen: es ist ein Dienst, zu dem wir bereit sein sollen, wenn wir darum gebeten werden oder spüren, dass wir gebraucht werden. Wir werden dadurch über niemanden erhaben und haben kein Recht, überheblich zu sein. Ein Lied von Christen aus DDR-Zeiten bringt das auf den Punkt:

Besser sind wir nicht
In dem Leben, das man führt, da ist vieles, was Gott stört.
Wie der Mensch nun einmal ist, macht er Fehler,
auch der Christ.

Refrain: Besser sind wir nicht, aber besser sind wir dran.
            Jesus macht uns frei, fängt neu mit uns an. /:/

2 Manche bilden sich zwar ein, würden etwas Bessres denken, weil sie sich bekehrt, sind sie mehr als andre wert.
3 Auch der größte Glaubensheld manchmal in die Tiefe fällt. Und wer denkt, er ist perfekt, hat sich selbst noch nicht entdeckt.
4 Auch bei uns ist manchmal Krach. Auch bei uns wird mancher schwach. Vieles ist bloß frommer Schein. Vieles könnte besser sein.
5 Häufig ist ein Atheist sehr viel besser als ein Christ, doch der Christ ist besser dran, nimmt er die Vergebung an.
6 Ist die Schuld auch noch so groß, Jesus macht uns davon los. Wir sind frei auch im Gericht, etwas
Bessres gibt es nicht. T (dt.): Aus der DDR; M: The Beatles

Fröhlich zu singen nach der Beatles-Melodie „We all live in a yellow Submarin“!
 

Pastorin Simone Mertins

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